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Partnerklinik Suwalki

Geschichte der Partnerschaft Suwalki-Haina

Anfang 1997 fragte Dr. Hartmut Berger, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Riedstadt und damals Vorstandsmitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft für seelische Gesundheit, bei der Ärztlichen Leitung in Haina an, ob Interesse an einer Partnerschaft mit einer polnischen Klinik bestehe. Er könne die Partnerschaft zu einer Klinik vermitteln, die seit geraumer Zeit einen deutschen Partner suche und landschaftlich sehr schön in der Nähe der Masurischen Seen gelegen sei.

Mit gegenseitigen guten Wünschen zum Weihnachtsfest 1997 begann dann zunächst ein Briefwechsel zwischen den beiden Kliniken. Zum persönlichen Kennenlernen wurde der Besuch einer Hainaer Delegation in Suwalki vereinbart. Vom 17.09. - 20.09.1998 besuchten die damalige Betriebsleiterin Luitgard Lemmer, der Ärztliche Direktor Dr. Rolf Speier und der stellv. Krankenpflegedirektor Heinz Eierdanz die polnische Klinik und wurden von dem Direktor Leszek Sagadyn und den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Klinik Suwalki herzlich begrüßt.

Die Klinik Suwalki verfügte über 172 Krankenhausbetten und hatte damit eine ähnliche Größe wie die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina. Die Klinik bestand seit 1990 und wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zum Allgemeinkrankenhaus in Suwalki errichtet. Sie stellt die Versorgung im Bezirk Suwalki mit rd. 200.000 Einwohnern sicher. Ähnlich wie bei der hiesigen Region handelt es sich dort um ein ländlich strukturiertes Gebiet in großflächiger Ausdehnung. Der Bezirk Suwalki liegt im äußersten Nordosten Polens und grenzt an Litauen und Weißrussland.

Die deutsche Delegation war äußerst beeindruckt von der Gastfreundschaft der polnischen Gastgeber und von der wundervollen Landschaft Nordost-Polens. Nachdem dieser erste Kontakt noch etwas steif und förmlich begann, entwickelte sich sehr schnell ein herzlicher Umgang miteinander und das „Du“ war im gegenseitigen Kontakt selbstverständlich.

Der Gegenbesuch der polnischen Delegation erfolgte vom 03.06. - 06.06.1999 in Haina. Anlässlich des Besuchs wurde am 04.06.1999 im historischen Kapitelsaal des Klosters Haina ein Symposion zum Thema „Gemeindenahe Psychiatrie in einer ländlichen Versorgungsregion“ Vergleich der psychiatrischen Kliniken von Suwalki (Polen) und Haina veranstaltet. Die polnische Delegation bestand aus dem Direktor Leszek Sagadyn, dem Verwaltungsleiter Andrzej Olszewski, der Oberschwester Teresa Liszewska und der Hauptbuchhalterin Krystyna Bierdziewska.

Nach Besuch und Gegenbesuch waren sich beide Seiten einig, die Partnerschaft weiter zu fördern. Anlässlich des 10. Deutsch-polnischen Psychiatrie-Symposions im September 1999 in Krakau wurde in feierlichem Rahmen der "offizielle" Partnerschaftsvertrag zwischen den beiden Kliniken von den Direktoren Leszek Sagadyn und Dr. Rolf Speier unterzeichnet.

Seitdem kam der Austausch immer besser in Gang; es verging kein Jahr ohne gegenseitige Besuche oder gemeinsame fachliche oder kulturelle Aktivitäten.

Zuletzt wurde im April 2004 in Kooperation mit der Sparkasse Waldeck-Frankenberg die gemeinsame Ausstellung "Kunstwerke aus der polnischen und deutschen Psychiatrie" der Öffentlichkeit vorgestellt.

Deutsch-Polnische Gesellschaft für seelische Gesundheit

Deutsche und Polen schauen auf eine gemeinsame Geschichte zurück. So hat auch die deutsche und polnische Psychiatrie viele zuweilen tragische historische Verbindungen.

Menschliches Engagement, persönliche Begegnungen, Durchbrechen von Ressentiments und die Suche nach Verbindendem in der Zusammenarbeit deutscher und polnischer in der Psychiatrie Tätiger führte am 26. Oktober 1989 zur Gründung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft für Seelische Gesundheit E.V. (DPGSG) mit Sitz in Münster und in Krakow.

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft für Seelische Gesundheit hat sich vornehmlich mit den Schwerpunkten "Aufarbeitung der Vergangenheit" und "Versöhnung in der Gegenwart" beschäftigt. Durch viele Begegnungen, auch bei den jährlichen Tagungen, soll ein intensiver Austausch über die gegenseitigen Vorurteile und Tabubereiche stattfinden, aber auch über die sehr unterschiedliche Alltagsrealität in beiden Ländern.

Die Ziele der Gesellschaft:

Die Gesellschaft tritt für verstärkte Beziehungen zwischen der deutschen und polnischen Psychiatrie auf allen Ebenen und in jeder Form ein.

Sie fördert den Aufbau einer gemeindenahen und menschlichen Versorgung der psychisch Kranken, die Entwicklung humaner Behandlungs- und Betreuungsformen, die Erforschung insbesondere der sozialen und kulturellen Zusammenhänge psychiatrischen Denkens und Handelns.

Im Bewusstsein der Bedeutung internationaler Zusammenarbeit verfolgt sie die Integration der Psychiatrie in den europäischen Einigungsprozess und dient als Vermittler im Austausch von Erfahrungen, Ideen und Konzepten der Psychiatriereform.

Sie will durch ihre Aktivitäten einen Beitrag zur Verständigung zwischen Deutschen und Polen leisten. Die Tätigkeit dient auch humanitären Zielen und der Verständigung zwischen den Völkern.

Die Gesellschaft veranstaltet Symposien und Tagungen, die im jährlichen Wechsel in Polen und in Deutschland stattfinden. Sie organisiert Austauschprogramme und Besuchsreisen für in der Psychiatrie tätige Berufsgruppen und Begegnungen für Patienten und Angehörige. Die DPGSG regt gesellschaftspolitische Reformen zur Verbesserung der Versorgung psychisch Kranker in beiden Ländern an und wirkt beratend bei Forschungsarbeiten mit.

Die DPGSG ist die europaweit größte Gesellschaft mit bilateralen Partnerschaften zwischen psychiatrischen Kliniken und psychiatrischen Einrichtungen. Zu verschiedenen Themen werden Kooperationen und gemeinsame Projekte initiiert. Die Entwicklung gemeinsamer grenzüberschreitender Zielvorstellungen hat Modellcharakter für die Entwicklung einer Europäischen Psychiatrie im Zuge der Entstehung der Europäischen Union. Die gemeinsame Arbeit und die Diskussion in den polnischen-deutschen Partnerschaften sollen Kristallisationspunkt bei der Entwicklung psychiatrischer Leitlinien in Europa sein.

Der Gesellschaft wurde im Jahr 2000 der Deutsch-Polnische Preis für besondere Verdienste um die Verständigung zwischen beiden Ländern verliehen.

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