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Hochkarätig besetztes Symposium „Forensische Psychiatrie“ mit 500 Teilnehmern in Gießen

24.03.2017

Die Organisatoren und Ehrengäste des Symposiums „Forensische Psychiatrie“ in Gießen; von links: Walter Schmidbauer, Geschäftsführer des Instituts für forensische Psychiatrie Haina e.V., die künftige Ärztliche Direktorin der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina, Dr. Beate Eusterschulte, Susanne Nöcker, Ministerialrätin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, Vitos Geschäftsführer Reinhard Belling, und Dr. Rüdiger Müller-Isberner, scheidender Ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina und Organisator des Symposiums.

Gießen/Haina (Kloster), 24. März 2017. Von der Neurobiologie der Gewalt über die Fehlerkultur im Maßregelvollzug bis zur Sexualstraftäterbehandlung: Der Stand der Wissenschaft auf dem breiten Feld der forensischen Psychiatrie wurde während eines zweitägigen Symposiums in der Kongresshalle in Gießen präsentiert. Veranstaltet wurde diese Tagung vom Institut für forensische Psychiatrie Haina e.V. (IFPH), einem 1997 gegründeten und seit 1998 als gemeinnützig anerkannten Verein. Die Vereinsgründung erfolgte anlässlich der Inbetriebnahme eines neuen Gebäudes an der Maßregelvollzugseinrichtung in der Licher Straße. Diese Maßregelvollzugseinrichtung ist ein Standort der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina.

Mit 500 Teilnehmern – von Ärzten bis Rechtsanwälten – und namhaften Referenten aus der Bundesrepublik und der Schweiz war das Symposium „Forensische Psychiatrie“ die größte der zahlreichen nationalen und internationalen Veranstaltungen, die das Institut seit Gründung vor 20 Jahren organisiert hat. Geschäftsführer Walter Schmidbauer stellte in seiner Bilanz der zwei Tage vor allem die Qualität der Vorträge heraus. „Die Kollegen haben Forschungsergebnisse auf höchstem Niveau präsentiert“, sagte der Ärztliche Direktor der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Riedstadt und Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Eltville. Das Symposium habe sich durch die „gelungene Vernetzung der Forschung mit der klinischen Perspektive“ ausgezeichnet.    

Für die Auswahl der Referenten erhielt das Institut von den Tagungsteilnehmern viel Zuspruch. „Wir haben darauf geachtet, dass sie zu der jüngeren Generation der forensisch Forschenden und behandlerisch Tätigen gehören“, betonte Schmidbauer. Dieser Generationswechsel war ohnehin das führende Thema des Symposiums – festgemacht an einer Person: Dr. Rüdiger Müller-Isberner, Mitbegründer des IFPH, der sich mit seinen Arbeiten zu psychiatrischen Kriminalprognose weltweit einen Namen gemacht hat. Der Ärztliche Direktor der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina verabschiedet sich nach mehr als drei Jahrzehnten in der forensischen Psychiatrie Ende des Monats in den Ruhestand. Der Organisator des Symposiums setzte mit seinem Vortrag „30 Jahre Kriminaltherapie – Wege, Irrwege, Perspektiven“ auch den Schlusspunkt. Die Standing Ovations galten nicht nur dem Vortrag.

Mit Ausführungen über „Träges Wissen in der Forensik“ hatte seine Nachfolgerin als Ärztliche Direktorin der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina, Dr. Beate Eusterschulte, den ersten Vortrag gestaltet. In insgesamt fünf Blöcken präsentierten zwölf Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Untersuchungen: PD Dr. Andreas Mokros zu „Psychopathie“, Dr. Martin Rettenberger zu „Risikobeurteilungsinstrumente“, Prof. Elmar Habermeyer zu „Forensisch-psychiatrische Risikoevaluation als Unterstützung der Polizeiarbeit“, Prof. Manuela Dudeck zu „Trauma, Aggression und Psychopathie als Prädikatoren von Kriminalität bei Maßregelpatienten“, Prof. Boris Schiffer zu „Neurobiologie der Pädophilie“, Prof. Kolja Schlitz zu „Neurobiologie der Gewalt“, Prof. Jérôme Endrass zu „Evaluation von forensischen Interventionen: Herausforderungen und Stand der Forschung“, Dr. Nahlah Saimeh zu „Fehlerkultur im Maßregelvollzug“, Prof. Peer Briken zu „State-of-the-Art: Sexualstraftäterbehandlung“ und Prof. Tania Lincoln zur „Psychotherapie der Schizophrenie“.  

Susanne Nöcker, Ministerialrätin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, forderte in ihrem Grußwort, dass sich Forensik und Allgemeinpsychiatrie wieder annähern müssten – denn Forensik, Akutpsychiatrie und Eingliederungshilfe sollten im Gesamtkontext der psychiatrischen Versorgung gesehen werden. „Maßregelvollzug ist nicht das letzte Glied in der Kette. Es gibt ein ‚vor‘ und ein ‚danach‘.“ Sie bewertete es als elementar, dass sich Forensik an allen psychiatrischen Debatten beteilige. Mit dem Ausbau der forensisch-psychiatrischen Ambulanzen sei der Brückenschlag in andere Versorgungsgebiete gelungen.

Das Land Hessen hat die Vitos GmbH mit dem Maßregelvollzug in Hessen beauftragt. Deren Geschäftsführer Reinhard Belling ist davon überzeugt, „dass psychiatrische und somatische Krankenhäuser von der Forensik lernen können“. Die Arbeit mit Qualitätsindikatoren habe sich bewährt. Im Kontext der Kosten des Maßregelvollzuges würden die Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie den Beleg erbringen, dass an dem Wohl der Patienten ausgerichtete Behandlungsqualität und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch seien.

Hintergrund: Das Institut für forensische Psychiatrie Haina e.V.

Das Institut für forensische Psychiatrie Haina e.V. wurde 1997 von Mitarbeitern der heutigen Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina gegründet und ist seit 1998 als gemeinnützig anerkannt. Das Institut fördert die Forschung und die Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiet der forensischen Psychiatrie sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Psychiatrie, Psychologie, Rechtswissenschaft, Rechtsmedizin und Soziologie. Die Förderung erfolgt durch die Organisation von wissenschaftlichen Veranstaltungen und Forschungsvorhaben, die Vergaben von Forschungsaufträgen, die Förderung der Verbreitung von Forschungsergebnissen in Veröffentlichungen (eigener Verlag), die Organisation von Weiter- und Fortbildungsveranstaltungen sowie die Förderung der Fort- und Weiterbildung von in der forensischen Psychiatrie Tätigen.