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Historie

Die Vitos Haina gemeinnützige GmbH blickt auf eine lange Tradition bis in die Anfänge des 16. Jahrhunderts zurück und gehört damit zu den herausragenden psychiatriegeschichtlichen Stätten in Europa, die von Bedeutung sind.

Haina hat an allen Höhen und Tiefen der Psychiatrieentwicklung teilgenommen: Im Zuge der Reformation wurde das Zisterzienserkloster Haina aufgelöst und mit Gebäuden und Besitzungen in die Stiftung eines Hospitals eingebracht. Ab dem 19. Jahrhundert war die Einrichtung Heil- und Pflegeanstalt. In der NS-Zeit wurden Patienten Opfer der Euthanasie. Seit den Fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts besteht die Einrichtung als "Psychiatrisches Krankenhaus Haina" unter der Schirmherrschaft des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen.

Der Alltag, die Ordnung und die Pflege im Hospital und später im Krankenhaus stehen im Vordergrund der Ausstellung. Bittgesuche von Gebrechlichen oder Angehörigen von Wahnsinnigen zur Aufnahme ins Hospital beschreiben die Nöte und Ängste der Menschen in der früheren Neuzeit. Dörfliche Sozialstrukturen werden ebenso offenbar wie das Leben im Hospital in einer Gemeinschaft von Bedürftigen. Über die Malerfamilie Tischbein erschließt sich die Welt der Kunst - das Stammhaus der zahlreichen bekannten Maler sind die Bäckerei und die Mühle in Haina.

Im Zeitalter der Aufklärung vollzog sich der Wandel von einer "Verwahrung" zur Behandlung der "Wahnsinnigen". Auch in Haina wurde im 19. Jahrhundert versucht, den sogenannten Geisteskranken durch Erziehung zu helfen oder sie auch mit Gewalt zur Ruhe zu zwingen. Zwangsstuhl, -bett und -jacke sowie ein Nachbau des "hohlen Rades" zeugen von diesen neuen Behandlungsmethoden, die heute wie Folterwerkzeuge erscheinen.

Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts entfalteten sich die eigentlich modernen Therapieformen, wie z.B. Arbeitstherapie oder Familienpflege. Parallel zu diesen Reformen entstand ein Rassismus, der schließlich zur "Vernichtung der unheilbar Kranken" in der NS-Zeit führte. Auch aus der Landesheil- und Pflegeanstalt Haina wurden im Jahre 1941 Patienten in die Gasmordanstalt Hadamar verlegt. In Haina selbst begann mit dem Kriegsbeginn ein langsames Sterben der unterversorgten Kranken, die in der NS-Ideologie als "lebensunwert" bezeichnet und damit zur Ermordung "freigegeben" wurden.

Der Neuanfang der Psychiatrie in Deutschland nach 1945 - auch in Haina fand dieser Weg langsam statt. Es fehlte an allem, an Nahrung, Inventar, Arznei und Personal. 1953 ging die Trägerschaft für die Heil- und Pflegeanstalt Haina in die Hand des neugegründeten Landeswohlfahrtsverbandes Hessen über, der als Kommunalverband die zentralen Fürsorgeaufgaben im neugegründeten Bundesland Hessen übernahm. Gebäudesanierungen und der Namenswechsel in "Psychiatrisches Krankenhaus" zeugen von der in Gang gekommenen Modernisierung. Das traditionelle Männerhospital nahm nun auch Frauen auf, das therapeutische Angebot wurde erweitert, aus manchen Krankenstationen wurden Wohngruppen gebildet und die großen Bettensäle durch Mehrbettzimmer abgelöst. Mit der Erfindung und Herstellung von Psychopharmaka wurden ab den 50er Jahren zugleich Beruhigungsmittel eingesetzt, die vielen Patienten größere Bewegungsfreiheit gab. In vielerlei Hinsicht wurden psychiatrische Probleme aber mehr "beruhigt" als gelöst. Es mußten nochmals fast vierzig Jahre bis zur Psychiatrieenquete vergehen, die einer modernen und am Menschen orientierten Psychiatrie den Weg weisen sollte. Doch zur Realisierung dieses Weges müssen nicht nur die Verantwortliche im Gesundheitswesen und in den psychiatrischen Einrichtungen bereit sein. Auch wir müssen akzeptieren, daß psychische Krankheiten und Behinderungen zum Leben gehören und damit auch die Kranken und Behinderten zu uns, zu unserem Leben und zu unserem Alltag.

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