Sie befinden sich auf: >Unternehmen >Historie >18. und 19. Jahrhundert > Die neuen "Curmethoden"

Die neuen "Curmethoden"

Die Theorien der Aufklärung bewirkten eine moralische Betrachtung der Geisteskranken, an die sich eine moralische Behandlung anschloß. Therapie und Strafe lagen nahe beieinander. So fanden erzieherische Methoden auch Anwendung zur Bestrafung Geisteskranker. Es wurden vor allem Zwangsmittel als Instrumente der Strafe eingesetzt. Hatten bis dato die Hospitalinsassen zur Strafe weniger Nahrungsmittel, Arrest oder Schläge erhalten, wurden sie nun in den Zwangsstuhl, den Stehkasten oder die Zwangsjacke gesteckt.

Das herausragende therapeutische Prinzip dieses psychiatrischen Ansatzes war jedoch die Beruhigung durch Erschöpfung oder Fixierung. Dabei wurden die Patienten Torturen ausgesetzt, die an die Grenzen des Aushaltbaren gingen. Die Beruhigung durch Erschöpfung wurde meist durch starkes Drehen des Patienten, das Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen hervorrief, erreicht. Dazu dienten Drehstuhl, Drehmaschine (Drillitz), die im Hainaer "Lazareth" in Boden und Decke verankert war und das "Hohle Rad", das von außen gedreht wurde. Zur Fixierung wurden Zwangsstuhl, Zwangsjacke und Zwangsbett eingesetzt. Der Zwangsstuhl, Anfang des 19. Jahrhunderts von dem Arzt Benjamin Rush erfunden, erhielt den Namen "tranquillizer". Er wurde im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts in Haina eingeführt und erst gegen die Jahrhundertwende endgültig abgeschafft. Die Anwendung dieses Instrumentes war auch unter den Psychiatern nicht unumstritten. In Haina starb 1853 ein Patient in dem Zwangsstuhl, in dem er neunundzwanzig Stunden angeschnallt gesessen hatte.

Die Zwangsmittel wurden in Haina vom Arzt angeordnet und von den Pflegern ausgeführt . 1850 waren 300-500 Hospitaliten, die nun auch Pfleglinge genannt wurden, im Hainaer Hospital. 14 Wärter bzw. Aufwärter und ein Arzt standen zu ihrer Pflege und Betreuung zur Verfügung.

weiteres zum Thema - die "freieren Behandlungsmethoden".